Mittwoch, 4. Oktober 2017

Seelsorge oder Psychotherapie als Christ

Ich habe schon lange für mich die Fragestellung gehabt, ob Psychologie/Psychotherapie etc. für mich als Christ in Frage kommen würden, oder was ich antworten würde, wenn jemand mich diesbezüglich um Rat fragt.

Nach der Geburt meines dritten Kindes ging es mir sehr sehr schlecht. Ein paar "BabyBlues" in den Tagen nach der Entbindung sind völlig Normal und dem Hormonchaos geschuldet, weil sich alles im Körper wieder "normalisieren" muss auf "Nicht-schwanger". Aber es gibt auch Situationen, wo der Körper das nicht so flott und problemlos geregelt bekommt und sich eine Wochenbettdepression entwickelt (--> HIER habe ich kurz aus meiner Situation berichtet) 

Damals habe ich mich gefragt, WARUM lässt Gott das zu? Gerade mit zwei Schulkindern nebenbei, ein Schreikind als Säugling und absolutes Hormonchaos im Körper mit Auswirkungen auf das Gefühls- und Seelenleben.

Mit der Suche über Google zum Thema "Hilfe bei Wochenbettdepressionen" kamen nur Ergebnisse, dass man Medikamente schlucken soll und sich behandeln lassen soll. 

Ich bin mir durchaus bewusst, dass es Krankheitsbilder gibt, die eine (manchmal auch nur vorübergehende) Medikation nötig machen und man niemanden deswegen verurteilen sollte! Jeder Mensch ist anders, jede Krankheit ist anders und manchmal kommt man einfach nicht drumherum um Medikamente.
Allerdings habe ich für mich keinen Frieden darüber gefunden Medikamente zu nehmen, die solche Nebenwirkungen haben und zudem einfach nur die Empfindungen und Gefühle und Traurigkeit (die durch die Hormonschieflage ausgelöst werden)unterdrücken. NICHT aber die Ursache hinter diesen Symptomen ändern.

Es war keine leichte und schöne Situation, aber ich weiß, dass es eine Situation gab, die mir eine erste Ruhe und Kraft in dieser Situation gegeben hat:
GOTTES WAHRHEIT.
Zuerst habe ich mein Leben reflektiert, ob es Dinge gibt, die ich bereinigen muss, mit Menschen und Gott klären muss und mich vielleicht versteckte Schuld so runterzieht. Denn auch das kann ein Gewissen und das Unterbewusstsein sehr stark belasten und durch Gefühlschaos das Leben schwer machen.
Dann habe ich mich der Wahrheit stellen müssen, dass ich Gott unterbewusst angeklagt habe, dass er mich so einen schweren Weg geführt hat und die Entbindung und die Tage danach alles andere als komplikationslos, reibungslos und "schön" abliefen. 
Ich hatte doch darum gebetet und Gott hat es mir verweigert! Darüber war ich sehr verletzt, traurig und auch wütend (das wurde mir aber erst bewusst, nachdem mich meine Freundin ansprach und mir ein Buch empfahl, in dem das thematisiert wurde, ob wir Menschen das Recht haben Gott anzuklagen).

Gott hat mir NIE versprochen, dass meine Wege mit ihm gerade und leicht sind. Das WUSSTE ich. 
Und trotzdem bin ich in eine Haltung gekommen, dass ich meine Wunschvorstellung von einer Geburt ohne Komplikationen höher gestellt habe und Gott später angeklagt habe, mir meinen Wunsch nicht zu erfüllen, statt auf ihn zu vertrauen, dass es zu seinem Plan gehört. 
Worauf ich hinaus will: 
Meine Gefühle sind sehr sehr subjektiv. 
Während SCHULD sehr objektiv ist.
Schuld/Sünde werden in der Psychotherapie immer mehr durch den Begriff der "Gefühle" ersetzt. "Was hast Du gefühlt?... Was hat das mit Dir gemacht?..."

Beispiel:
Ich fühlte mich traurig und verletzt und kämpfte mit persönlicher Enttäuschung, dass es mir so schlecht ergangen ist. 
 Dadurch scheint es menschlich absolut berechtigt, ALLES und JEDEN in Frage zu stellen. 
Und anstatt zu suchen welche Schuld oder Sünde als Wurzel in meinem Herz gefunden werden kann, die diese Gefühlslage fördert und unterstützt und somit "herausgerissen" werden muss, wird sich um mich und meine Gefühle gedreht und an den Symptomen gedoktort mit Medikamenten, die Fühlen unterdrücken und den Menschen ruhig stellen.
Meine Gefühle können mich täuschen und irreführen. 
Hormone beeinflussen zusätzlich meine Gefühlslage und verstärken mein Verhalten, Denken und Reden.

Aus Sicht der Bibel sind Depressionen absolut menschlich (siehe 1. Kön. 19, Elia hat zutiefste Depressionen mit Todessehnsucht!) und aus medizinischer Sicht ist es gerade nach Entbindungen durch die Hormone keine Seltenheit. 
Es sind oft unsere menschlichen Grenzen und Körper, die nicht immer intakt funktionieren und manchmal einfach Ruhe, viel Schlaf, vernünftiges Essen und manches Mal die Korrektur unserer Einstellung brauchen.
Nicht immer müssen Schuld und Sünde hinter Depressionen stecken (was leider von einigen Christen so angenommen wird und womit manch einem Mensch Unrecht getan wurde!). Es gibt so viele medizinische Aspekte, die Depressionen als "Nebenwirkung" haben (Entbindung, Hormone, Medikamente, Schlafentzug usw). 
ABER, Depressionen können Schuld und Sünde nach sich ziehen, weil ständige Niedergeschlagenheit oftmals zu Selbstmitleid, Anklage und Schuldzuweisung führen kann. 

Jetzt komme ich zu dem Punkt, warum ich eine Psychotherapie aus meinem geistlichen Standpunkt heraus ablehne:
1. Subjektive Gefühle werden über objektive Beurteilung gesetzt und so wird eventuelle Schuld oder Sünde relativiert.
2. So wird durch eine subjektive Wahrheit (Empfindung) eine allgemeingültige Moral oder Definition von Schuld abgelöst.
3. Die moralische Eigenverantwortung mit der Messlatte an einer allgemeingültigen Wahrheit/Moral und Definition von Schuld/Sünde wird dem Mensch entzogen.
4. So wird aus Schuld/Sünde eine Krankheit, die es zu heilen oder schönzureden geht, damit die Gefühle beruhigt werden (und das Gewissen Ruhe gibt).
Beispiele:

Nicht Gottes Wort ist die Wahrheit und Messlatte sondern:
- Sünde ist nur, was sichtbaren, messbaren Schaden an anderen anrichtet
- Der Mensch ist das Opfer der Erziehung und die Eltern sind Schuld an Irrungen und Wirrungen im Leben des (eigentlich erwachsenen, mündigen) Kindes (n.Freud)
- Der Mensch ist grundsätzlich GUT, alles Böse machen Umstände, Erziehung, Prägung usw. also ist die Umgebung schuld (n.Rogers)
- Persönliche Lustbefriedigung und leben nach dem Lustprinzip bedeutet wahres Glück und Freiheit, somit sollte der Mensch nach seinem GEfühl handeln (n.Rogers)
- Der Mensch ist ein höher entwickeltes Tier und somit ohne Eigenwert und "Opfer" seiner Instinkte und TRiebe (n.Skinner)
- "NORMAL" und akzeptabel ist alles, was niemandem Schaden antut oder in einem ausreichend großen Kreis toleriert und propagiert wird (jegliche Form der Sexualität, Abtreibungen, "wilde" Ehe, legale Drogen...)
Demnach widersprechen sich humanistische Ansätze zum Bild über den Menschen und wie die Hilfestellung aussieht ganz krass zum christlich-biblischen Menschenbild und Ansätzen zur Seelsorge.
Psychotherapie und Seelsorge stehen demnach von der Basis an im krassen Gegensatz
TRotzdem gibt es "christliche Psychotherapie" und man bemüht sich, das "Beste" aus beiden Therapien zu vermischen.
Meine Fragestellung aber ist, ob man Therapien und Ansätze losgelöst von der ursprünglichen Philosophie und Menschenbild einsetzen kann?
Dies verneine ich recht entschieden.

Ich kann nicht Zucker in eine salzige Suppe streuen und auch nicht Salz in die süße Marmelade, ohne dass es keine deutlichen Konsequenzen hat. 
Wie schon weiter oben erwähnt, möchte ich hiermit keineswegs psychische Erkrankungen und medizinische Behandlung an sich ablehnen!
 Medikamente und Ärzte können unumgänglich sein und es ist ein Segen, dass wir in einem recht fortschrittlichen Land leben und so eine gute Grundversorgung haben.
Es geht mir vielmehr um die immer größeren Ausmaße der Psychologie/Psychotherapie in der Volkskrankheit Nr. 1 Depression/BurnOut und in welchen Namen sie noch so daherkommt behandelt werden.
Immer mehr Menschen brauchen Hilfe bei der Bewältigung ihrer Alltagssituationen und werden eingelullt in subjektive Seelenstreichelei. 

Anstatt beim "Hersteller" des Menschen um Rat und Hilfe zu suchen und Ursachen zu beheben, statt sich mit Symptombehandlung zufrieden zu geben. 
Mir ist bewusst, das dieses Thema definitiv Konfliktpotenzial  beinhaltet.
Trotzdem ist es mir ein persönliches Anliegen und ich berufe mich da auf meine Glaubens- und Meinungsfreiheit.

1. Kön. 19, 5-8
 Er selbst aber ging hin in die Wüste, eine Tagereise weit, und er kam und setzte sich unter einen Ginsterstrauch. Und er erbat für sich den Tod und sprach: Es ist genug! So nimm nun, HERR, mein Leben, denn ich bin nicht besser als meine Väter! Und er legte sich und schlief ein unter dem Ginsterstrauch. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und als er sich umsah, siehe, da war bei seinem Kopf ein auf heißen Steinen gebackener Brotfladen und ein Krug Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. Und der Engel des HERRN kam zum zweiten Mal und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss, denn der Weg ist [sonst] zu weit für dich! Und er stand auf und aß und trank, und er ging in der Kraft dieser Speise 40 Tage und 40 Nächte lang, bis an den Berg Gottes, den Horeb.  

Kommentare:

  1. Liebe Tina,

    ein toller Artikel, dem ich nur zustimmen kann.

    LG Ellen

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    1. Danke, liebe Ellen! Das ermutigt mich!
      Aber ich bin mir auch durchaus bewusst, dass ich damit anecke und nicht dem Mainstream entspreche.
      Aber Gott sei Dank müssen wir das nicht!
      Ganz liebe GRüße zurück!

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  2. Schade, dass nur Ellen was dazu schrieb.
    Es sind super Gedanken und Erklärungen von Dir.
    Mein Grosser muss auch Medis nehmen. Schon lange Zeit. Ich bin nicht dafür und meine Ängste sprichtst Du an. Ich konnte es nicht so klar formulieren wie Du es getan hast.
    Aber da bei ihm seit vielen Jahren nichts besser wird, er sich selber irgendwie schlecht fühlt, weil er "krank" ist kann da was nicht gut sein in dieser sturen medikamentösen Behandlung ...
    Oh, da gäbe es viel zu schreiben!
    herzliche Grüsse
    Elisabeth

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    1. Oh, liebe Elisabeth. Dastut mir unglaublich leid, dass Du diese Erfahrung hast. Es ist ein großer Leidensdruck und ich glaube auch, dass Betroffene einfach jeden Strohhalm greifen wollen.
      Es gibt wirklich enorm viel zu schreiben.
      So viele Diagnosen und Ursachen, die auf das Nervensystem und das endokrinologische System wirken. Was aber alles NICHT ausgeschlossen wird, BEVOR man diese Antidepressiva etc. verschreibt...
      Ein Beispiel habe ich von einer Bekannten. Sie hatte einen viel zu niedrigen Ferritin-Wert (Eisenspeicher,NICHT der HB Wert, der kann trotzdem im Normbereich sein!) und Vitamin B6&12 Mangel. Dadurch chronisch Müde, Erschöpft, schlapp und Herzrasen mit Angstphasen(wird schnell als Depression diagnostiziert). Sie hat sich belesen und Zweitmeinungen eingeholt und mit hochdosierter Eisentherapie und Nährstoffmangelausgleich geht es ihr heute ziemlich gut!
      Aber man KANN es nicht alles aufschreiben...
      Gute Ärzte sind ein 6er im Lotto gleich.

      Liebe GRüße und vielen lieben Dank für das teilhaben lassen an DEiner Situation!
      Tina

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  3. Weisst Du was mir am besten geholfen hat an Tagen die anders waren ....
    Raus gehen, hier gibt es viele Feldkreuze, Marterln ... sich da hineinfallen lassen in die Schöpfergeschichte.
    Im Wald, in der Natur sein. Wissen wer uns das alles geschenkt hat. Dankbar sein
    Ich sage nicht, dass es einfach war an manchen Tagen. Ich sage nicht, dass es nicht Situationen gibt, in denen Medis scheinbar nötig sind!
    Ich bin froh, es immer so geschafft zu haben. Obwohl ich mehr als einmal ein Rezept vom Arzt erhielt.
    In einer Kirche still sitzen, das gibt mir mehr als Gespräche mit Therapeuten.

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    1. Ja, die Stille suchen und aushalten.
      In der Stille sich konfrontieren mit der Ursache der Unruhe und des Umhergetriebenseins.
      In der Stille erkennen, wonach unser Herz eigentlich sucht und was wir immer nur mit Ersatz ruhigstellen.
      In Gott findet man diese Ruhe und Stille, wenn alles umher auch tobt.
      Dieses Lied sende ich Dir mit guten Wünschen:
      https://www.youtube.com/watch?v=-H7Thk_Hvic
      Finde es sehr bewegend und tröstlich!
      Liebe GRüße!

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