Aufklärung (3)- Unsere Kinder und große Augen

Ich hatte vor der Geburt unseres ersten Kindes ein wunderschönes Gedicht "gefunden" und ein großes, gerahmtes Bild daraus gestaltet. 
Leider ist es beim letzten Umzug abhanden gekommen.
Aber sinngemäß ging es darum, dass kleine Augen mir folgen an Tag und nacht und kleine Ohren auf jedes Wort achten, welches ich spreche.

Ob bewusst oder unbewusst, ALLES was ich sage, tue und wie ich reagiere hat Einfluss auf das Denken und Wahrnehmen meines Kindes.

Eines meiner liebsten Zitate ist:

Das was Du TUST redet lauter, als das was Du sagst.

Und wie oft versuchen wir Eltern Dinge in das Kind zu "erziehen", die wir im eigenen Leben nicht anwenden. Und Kinder haben feine Antennen dafür.

Ich habe in manch einer Situation gemerkt, dass meine Kinder nicht in allem hören oder 100% gehorsam sind (welche Kinder tun das schon ;-) sind ja alles nur Menschen!), aber das meine Kinder oft mein Verhalten und Reaktionen in ähnlichen Situationen nachahmen.

Bestes Beispiel: Ich verabscheue es zu spät zu kommen. Generell habe ich ein durchdachtes Zeitmanagement, aber ab und zu kommt eine volle Windel kurz vorm abfahren einfach in die Quere. So muss man ein wenig mehr auf das Gaspedal drücken. Wenn dann ein Sonntagsfahrer oder ein gemütlicher Rentner oder sonst wer einen Bereich wo man 70 fahren darf blockiert, weil er oder sie das Gaspedal nicht so recht findet, dann werde ich ungeduldig und sage dann Dinge wie: "Der hat bestimmt in der Fahrschule nicht aufgepasst", "Fahr doch, du lahme Gurke"... und so. Manchmal habe ich dann keinen Zeitdruck und gute Laune, aber die Kinder sehen auf unserem Tacho dann dass der vor uns zuuuu langsam ist und reagieren ähnlich. In dem Moment hört es sich lustig an, aber beschämt mich trotzdem.

Dasselbe Prinzip der Nachahmung kann im Bereich der Beziehungs-, Freundschafts- & Liebesebene stattfinden.

Unsere Kinder nehmen es sehr wohl wahr, ob der Vater verstohlen hinter einer attraktiven Frau hinterherschaut. Ob die Mutter Filme und Bücher konsumiert in denen Phantasien über Romantik, Liebesplänkelei und unrealistische Beziehungsmodelle angeregt werden. Ob wir im Auto Radiowerbung, Sendungen oder Lieder mit moralisch anzüglichen Texten und Inhalten laufen lassen oder wegdrücken. Ob die Mutter mit ihrem Auftreten und Kleidung bemüht ist fremde männliche Aufmerksamkeit zu erhaschen oder der Vater mit anderen Frauen als seiner zu freundschaftlich umgeht und auch fremde Aufmerksamkeit genießt. 

Wir müssen unseren Kindern vorleben und beibringen, dass alle Entscheidungen von Konsequenzen gefolgt werden.
Wir müssen ihnen vorleben und beibringen, dass eine gewisse Ordnung, Selbstdisziplin und Selbstbeherrschung zu einem Schutz im eigenen Leben und der Familie helfen können.

Wir als Eltern sollten eine Doppelmoral meiden.

Wenn gewisse Filme nichts für 12jährige sind, wieso sollten wir sie konsumieren?

Wenn gewisse Zeitschriften und Magazine vor Kindern versteckt werden müssen, warum tolerieren wir sie in unseren Häusern?

Wenn das Internet die Gefahr des Konsums nicht förderlicher Inhalte (Gewalt, Pornographie, unmoralische Lebensmodelle etc) birgt, wieso schützen wir unsere Kinder (und auch UNS) nicht mit entsprechender Sicherung oder einem "öffentlichen" Platz im Haus, wo heimliches Surfen schwierig wird?

Wenn ein Vater genau weiß, wie visuell geprägt Männer sein können, warum lässt er es zu, dass seine minderjährige Tochter aufreizend und unangemessen in ihrer Naivität zum gedanklichen Spielball von Männern und Jungs wird? 
Und warum haben wir Eltern oft ein Problem so offen mit den Kindern diese Themen zu besprechen?

Wenn uns Müttern beim einkaufen sexualisierende Werbung ins Auge fällt und man es merkt, dass die Kinder es auch wahrgenommen haben, so können wir es ungezwungen ansprechen und die Kinder sensibilisieren. Ich frage dann schon mal meine Tochter: " Guck mal, hast Du gesehen warum diese Frau halbnackt sein muss um für einen Joghurt zu werben? Wozu denn? Warum kann man das nicht ohne einen ausgezogenen Menschen bewerben, dass der Joghurt lecker ist? Ich finde es schade, dass Frauen sich für Geld nackig machen müssen." 
(Nur so als Beispiel).

Nur durch Selbstreflektion und Sensibilisierung in altersgerechtem Rahmen und Aufarbeiten von aktuellen Situationen (wie Werbung, Themen unter Gleichaltrigen und Schule) können wir Eltern schon in jungen Jahren beginnen unseren Kindern Werte und moralische Systeme in ihren Gedanken zu verankern.

Kleine Augen und Ohren sind überall dabei.
Darum sollten wir nicht erst mit 13 Jahren beginnen eine gesund Kommunikation aufzubauen und uns unserer Vorbildfunktion (bewusst und unbewusst!) zu stellen.

Wir können unsere Kinder nicht vor allen Einflüssen schützen, aber abgeklärt und aufklärend einwirken. 

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